Notfallsituationen sind häufig unübersichtlich. Mehrere Informationen treffen gleichzeitig ein, Beteiligte reagieren emotional und der Zustand eines Patienten kann sich innerhalb kurzer Zeit verändern.
Handlungsschemata helfen dabei, relevante Informationen zu ordnen und unmittelbar bedrohliche Probleme nicht zu übersehen.
Ein etabliertes Instrument ist das ABCDE-Schema:
A – Airway: Atemweg
B – Breathing: Atmung
C – Circulation: Kreislauf
D – Disability: neurologischer Zustand
E – Exposure beziehungsweise Environment: weitere Untersuchung und Umgebung
Das ABCDE-Schema dient dazu, Patienten strukturiert zu beurteilen, lebensbedrohliche Probleme frühzeitig zu erkennen und notwendige Maßnahmen nach Priorität einzuleiten. Dabei werden erkannte Probleme behandelt, bevor die Untersuchung fortgesetzt wird. Anschließend ist eine erneute Beurteilung erforderlich. den Unterricht reicht es allerdings nicht aus, die fünf Buchstaben lediglich zu erklären. Teilnehmende müssen verstehen:
- welche Beobachtungen innerhalb der einzelnen Bereiche relevant sind,
- wie Auffälligkeiten erkannt werden,
- welche Maßnahmen zur eigenen Qualifikation gehören,
- wann weitere Hilfe benötigt wird,
- wie Untersuchungsergebnisse kommuniziert werden,
- warum nach einer Maßnahme erneut beurteilt werden muss.
Gerade in der medizinischen Ausbildung sollte das ABCDE-Schema deshalb nicht als einmaliges Unterrichtsthema behandelt werden. Es sollte als wiederkehrende Struktur in Fallbeispiele, praktische Übungen und medizinische Simulationen integriert werden.
Auch professionelle ERC-Kursformate verbinden die strukturierte ABCDE-Beurteilung mit praktischen Fertigkeiten, Teamarbeit und der Behandlung kritisch erkrankter Patienten. Vom ABCDE-Schema zur SAMPLER-Anamnese.
Während das ABCDE-Schema der priorisierten Patientenbeurteilung dient, unterstützt die SAMPLER-Anamnese bei der strukturierten Erhebung weiterer Informationen.
Abhängig vom verwendeten Ausbildungskonzept können damit unter anderem folgende Bereiche erfasst werden:
- Symptome und Beschwerden
- Allergien
- Medikamente
- Patientenvorgeschichte
- letzte Nahrungsaufnahme
- Ereignisse vor dem Notfall
- Risikofaktoren
Die Herausforderung im Unterricht liegt nicht im Auswendiglernen der Buchstaben. Teilnehmende müssen lernen, die Fragen an Situation, Patient und Zeitdruck anzupassen.
Eine gute Anamnese ist kein starres Interview. Sie ist ein gezielter Informationsgewinn, der dabei hilft, die Situation besser einzuordnen, Risiken zu erkennen und eine strukturierte Übergabe vorzubereiten.
In einem praxisnahen Notfalltraining sollten Teilnehmende deshalb nicht nur vollständige Anamnesen üben. Sie sollten auch lernen, unter Zeitdruck die wichtigsten Informationen zu priorisieren.